Hildburghausen 2010 – Eine gute Sache

Hildburghausen Oliver A. Trunk
Die Wälder um den kleinen Ort Hildburghausen in Thüringen hatten so etwas sicher schon lange nicht mehr gesehen. Berittene Soldaten, Infanteristen mit Vorderladern und Bajonetten, Artillerie mit Kanonen, welche mit höllischem Gedonner die Luft mit Nebel und einem Hauch Schwefelduft tränken. Sicher, in früheren Zeiten kam so etwas sicher öfter vor, jedoch das Konföderierte gegen die Unionstruppen ziehen und das in Hildburghausen kommt doch relativ selten vor.
In diesem Jahr war es so weit. Die Mitglieder vieler eigenständiger militärhistorischer Darstellungsgruppen, die sich mit der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs befassen, trafen sich, um ein Wochenende in der Vergangenheit zu verbringen.
Für die angereisten Mitglieder der Charleston Highlanders“ begann das Spektakel am Mittwoch. Das Gelände und alle nötigen Details waren durch die Veranstalter hervorragend vorbereitet und so konnten die bereits Anwesenden einen gemütlichen Abend verbringen, nachdem sie ihre Zelte aufgestellt hatten. Einzig die Geräuschkulisse des nahe stattfindenden Polterabends hielt die „Zeitreisenden“ im Hier und Jetzt.
Am nächsten Morgen kam sehr früh Leben in das Lager - der Hauptaufbautag.
Dem einen oder anderen Konföderierten fiel es zu Anfangs etwas schwer die eigenen Mitstreiter und die Unionsangehörigen zu unterscheiden. Waren es nun die Herren, welche auf einer Wiese aufbauten, waren es die Männer im weiter unten liegenden Morast, oder waren es tatsächlich beide? Die Sache klärte sich jedoch im Laufe des Wochenendes auf.
Etwa zur Mittagszeit begann nun wirklich das eigentliche Reenactment.
Der Firstsergeant der CS -Artillerie Meyer prüfte die Anwesenheit und begann seinen Dienst mit einem ausgiebigen Marsch. Schließlich waren die morschen Knochen des einen oder anderen Soldaten im Laufe des Winters eingerostet.
Ein kleines Handicap war die Tatsache, dass der erste Schuss der Veranstaltung erst am Freitag um 13:00 Uhr fallen durfte, was aber kein wirkliches Problem darstellte.
Sicher hätte die Obrigkeit in der vorherigen Zeitspanne etwas an genehmeres tun können, als Zigaretten zu kontrollieren. Aber auch die Gesundheit soll auf einer solchen Veranstaltung nicht zu kurz kommen.
Der Morgen des Freitags und die damit verbundene „Gefechtsverzögerung“ bekamen auch die Damen zu spüren, da die Männer sich länger als üblich im Lager aufhielten und ihnen mehr oder weniger „auf den Geist“ fielen.
„Wollt ihr denn heute gar nicht mehr raus?“, war dann auch die lautstarke Frage der weiblichen Mehrheit.
Eine halbe Stunde später, nach einer „Kriegsanzettelung“ ging es dann auch wirklich los. Der aufkommende Regen beendete das Spiel und der Abend klang in den Zelten aus.
Der Samstag nun war der perfekte Tag, mit großer Aufregung nach dem ausgiebigen Frühstück. Eine komplette Geschützmannschaft der Konföderierten war verschwunden.
Der Stab wurde informiert, die Kavallerie rückte zur Suche aus und über der gesamten Artillerie wurde sofort eine Ausgangssperre verhängt.
Nach kurzer Zeit wurden die „Deserteure“ gefasst und später einer „gerechten Strafe“ zugeführt.
Auch die Infanterie hatte ein ähnliches Problem mit zwei Soldaten. Nach deren Aburteilung ging es dann wirklich los. Kaum hatten die Geschütze ihre Stellungen bezogen begann der Kampf. Ein gutes Spiel kann nur dann funktionieren, wenn alle gleichermaßen mitspielen. Dies klappte hervorragend bei allen Waffengattungen der Konföderation und dank der erstklassigen Darstellung der Union.
Insgesamt war es ein sehr gelungenes Reenactment, welches am Sonntag glücklicherweise trocken beendet und abgebaut werden konnte